Umweltbildungszentrum Licherode
Ökologisches Schullandheim und Tagungshaus
Angebote zur Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)

Das Dreieck der Nachhaltigkeit

ist das Viereck der Nachhaltigkeit

In Bezug auf die Inhalte wird die Bildung für eine nachhaltige Entwicklung oft im sogenannten Dreieck der Nachhaltigkeit umrissen: Wirtschaftlich-gesellschaftliche Entwicklungen in der Ökonomie, Ökologie und soziale Ziele sollen so in Einklang gebracht werden, dass die Bedürfnisse der heute lebenden Menschen befriedigt werden, ohne die Bedürfnisbefriedigung zukünftiger Generationen zu gefährden. Uns erscheint es indes sinnvoll, das Dreieck der Nachhaltigkeit um den kulturellen Bereich (zu einem Viereck der Nachhaltigkeit) zu erweitern. (2)

2) Vgl.: BLK: Bildung für eine nachhaltige Entwicklung, 1998, S. 22

Autor: Wolfgang Ellenberger

Diese vier Bereiche der Bildung für Nachhaltigkeit

sollen hier in wenigen ausgewählten Stichworten, die für die Bildungsarbeit in Licherode besonders bedeutsam sind, umrissen werden:

  • Im ökonomischen Bereich greifen wir u. a. Fragen der ökologischen Produktion und Kreislaufwirtschaft, des Ressourcenverbrauchs und des Energieeinsatzes und seiner Minimierung auf, z. B. wenn sich Kinder in einer Umweltbildungswoche mit der Erzeugung von Nahrungsmitteln in der ökologischen Landwirtschaft beschäftigen oder als Energiedetektive den Energieverbrauch untersuchen.
  • Im ökologischen Bereich wollen wir für die Naturverträglichkeit menschlicher Eingriffe sensibilisieren und die Verantwortung gegenüber der Mitwelt aufbauen helfen. Im Mittelpunkt stehen die Gefährdung und der Schutz der Ökosysteme, die Vernetzung von Lebensbereichen und Prozessen, ein Verständnis für die Komplexität der Lebenswelt ebenso wie der Umgang mit Ressourcen und die Belastbarkeit der Ökosysteme. Mit solchen Fragen kommen Kinder z. B. bei der Untersuchung von Lebensräumen und Lebensgemeinschaften (z. B. Bach und Gewässerverschmutzung) wie bei der Untersuchung des Wasserverbrauchs und der Abwasserbeseitigung in Berührung.
  • Im sozialen Bereich möchten wir Verantwortlichkeit, Solidarität und das Gefühl für Gerechtigkeit stärken. Hier geht es uns also u. a. um die Verantwortung für unser Handeln gegenüber den Mitmenschen und der Umwelt, um umweltgerechte Lebensstile und die Förderung unserer Gesundheit.
    Dieser Aspekt ist z. B. Mittelpunkt einer Besser-Esser-Woche; mehr noch aber werden die Ziele des sozialen Bereichs in den Grundprinzipien der Licheröder Veranstaltungen deutlich: die Förderung sozialer Kompetenz durch ein entspanntes Miteinander- Leben und -Arbeiten und durch einen behutsamen Umgang mit der Natur.
  • Im Mittelpunkt des kulturellen Bereichs stehen für uns der Aufbau eines Welt-bildes, ganzheitliche Naturwahrnehmung, ein kritisches Wissenschaftsverständnis und Denkmethoden (ökologisches / vernetztes Denken), Werteorientierung und der Aufbau von Identität. Vor allem der letzte Aspekt spielt in unseren Umweltwochen eine herausragende Rolle: Durch die positiven Erfahrungen, die die Kinder und Jugendlichen –  aber auch Erwachsenen – beim Spielen und Lernen, beim Erleben von Natur und Gemein-schaft und durch das konkrete Erfahren eines umweltgerechten Lebensstils in Licherode machen, können sie sich mit den Zielen und Wertvorstellungen der Bildung für Nachhaltigkeit identifizieren und so ein Leitbild für ihr eigenes Leben gewinnen.

Daneben möchten wir u. a. auch auf die Schönheit der Natur aufmerksam machen und eine Beschäftigung mit dem Zusammenhang von Natur und Kunst fördern (siehe auch Seite 25, Naturkunstforum 2007).

Integration in den Gesamtzusammenhang

in Umweltwochen, Aus- und Weiterbildung und in Seminaren

Wesentlich im Sinne der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung ist, dass die vier Bereiche bei der Arbeit an einem Thema miteinander verknüpft, in den Gesamtzusammenhang der Überlegungen und Aktivitäten integriert werden.

Bildung für eine nachhaltige Entwicklung ist ein hoch komplexes Konzept, das sich als Leitlinie durch die theoretische wie praktische Arbeit am Umweltbildungszentrum Licherode zieht. Es bestimmt die Arbeit in Umweltwochen mit Kindern ebenso wie die in der Aus- und Fortbildung von LehrerInnen, die Seminarangebote genauso wie die Ausbildung von Senioren-Umwelttrainern.

Je nach Altersstufe und inhaltlichem Schwerpunkt werden sicherlich unterschiedliche Akzente gesetzt werden müssen. So ist Bildung für Nachhaltigkeit bei jüngeren Kindern eher auf die Handlungsebene, auf Erleben und Sammeln von Erfahrungen ausgerichtet. Die Anregung zum eigenen Tun motiviert Kinder zum Lernen, weckt ihre Neugier. Im ganzheitlichen Arbeiten erkennen sie, was bedeutsam ist, erfahren, dass alles – auch sie selbst – einen großen Wert besitzt, und werden unterstützt bei der Stärkung ihres Selbstwertgefühls.

Auf dieser Basis können im Anschluss an Aktivitäten in Licherode schulische Lernprozesse das Umweltbewusstsein festigen und Umweltwissen erweitern.
Dazu will das Umweltbildungszentrum Licherode durch Materialangebote wie durch Unterstützung, Beratung und Fortbildung seinen Beitrag leisten.

„Nur zur Paarungszeit schminken sich die Männchen blau-rot. Sie vertreiben Rivalen dadurch  und sagen damit den Mädel-Fischen: Hey guckt mal, ich bin stark, legt eure Eier ab. Danach ist ihnen der Mann aber egal und schwimmen weg. Danach befruchtet das Männchen die Eier und beschützt sie.“

(Selina, Bericht über den Stichling, Grundschule Anzefahr-Niederwald / Teicherkundung)