Umweltbildungszentrum Licherode
Ökologisches Schullandheim und Tagungshaus
Angebote zur Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)

Öfter mal was bleiben lassen!

Hessisch-Niedersächsische Allgemeine 24. 08. 2011

Licherode. Es ist kurz vor acht. „Ich spüre meinen Herzschlag bis zum Hals“, gesteht Johannes Lutz. Verständlich, denn der studierte Landwirt und Umweltpädagoge, den es aus der ur-schwäbischen Bildungshochburg Tübingen in ein kleines, aber feines, wald-hessisches Landschulheim namens Umweltbildungszentrum Licherode verschlagen hat, hat zur Premiere seines ersten abendfüllenden Kabarettprogramms eingeladen. (Link HNA-Artikel)

Autor: Wilfried Apel

Wahl-Licheröder und Kabarettist

Johannes Lutz begeisterte als Erwin Hägele

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Foto: Wilfried Apel

Johannes Lutz als Erwin Hägele: Am Freitagabend bestritt der Licheröder Umweltpädagoge, rechts im Bild, sein erstes abendfüllendes Kabarettprogramm. Auch Zuschauer wurden eingebunden und hatten mächtig Spaß.

Die Neugier darauf, auf ihn, den im Kölner Karneval bei kleinen Auftritten hinlänglich erprobten 52-Jährigen, und auf Erwin Hägele, sein schwäbisches Alter Ego, ist groß. Die Folge: Der weit geöffnete Expo-Pavillon platzt fast aus allen Nähten. Mit „Denken von zwölf bis Mittag“ hat er das, was er seinem Publikum mitteilen will, überschrieben. Und das geschieht in erster Linie aus schwäbischer Sicht.

Eine Art Philosophie

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Erwin Hägele, in den sich Lutz schon bald verwandelt, ist Schwabe durch und durch. „Enthesselt“ doziert er wie entfesselt, was dem Schwaben Sauberkeit und „Kehrwoche“ bedeuten: „Das ist eine Art Philosophie!“

Beim Nachdenken darüber gelangt er allerdings auch zu der Erkenntnis, dass der durchschnittliche Haus- und Gartenbesitzer zehn Monate seines Lebens mit Rasenmähen, sechs Monate mit Kehren und einen Monat mit Laubsaugen zubringt. Spätestens jetzt kommt der Umweltpädagoge durch, der im Laubsaugen eine Form von Dekadenz sieht und der knallhart fragt: „Lebst du noch, oder saugst du schon?“

Vernetzt zu denken, dazu will Erwin Hägele sein Publikum ermuntern. Nicht nur in eine Richtung, nicht nur „von zwölf bis Mittag“, wie es seine Oma auszudrücken pflegte.

Wie das geht, erläutert er anhand spezieller schwäbischer Ausdrucksweisen, aber auch anhand eines von zwei Besuchern gehaltenen Wäscheseils, an das er 4,6 Milliarden Jahre Erdgeschichte hängt. Die fängt an mit der Ursuppe, für die er hessisches Bier verwendet: „Als Ursuppe konnschds verwende, trinke konnschds nedd!“. Und hört auf mit Menschen wie Dieter Bohlen: „Ein Irrtum der Evolution!“

Aber auch mit Politikern wie Angela Merkel und örtlichen Größen, die sich befleißigen, das Bebraer Schulamt gerettet zu haben. Ihnen allen empfiehlt er mit Blick auf den letzten Millimeter Erdgeschichte Demut.

Heftiger Applaus

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„Öfter mal was bleiben lassen!“ empfiehlt Hägele nach heftigem Applaus zum Schluss. Für ihn und Johannes Lutz mag das nicht gelten. Beide haben so viel zu sagen, dass sie bald wieder „kehren“ sollten. Das erspart, wie bereits festgestellt, das Fitness-Center und macht Lust auf ein „Schlückle“. Beim nächsten Mal aber bitte Württemberger.

Weitere Berichte in der HNA

HNA-Artikel.pdf

pdf, 414.4K, 15.06.2015, 185 downloads

Bericht-Erwin-Hägele-31.1.14.pdf

pdf, 581.1K, 15.06.2015, 179 downloads

Johannes Lutz

von Hause aus Agraringenieur und seit Jahren als Umweltpädagoge tätig, kam eher zufällig zum Kabarett. Vom Publikum der alljährlichen „Immi“-Sitzung im Kölner Karneval gefeiert, entwickelte Johannes Lutz alias Erwin Hägele sein erstes einstündiges Programm .    

 „Gen Schwaben“, eine kabarettistische Einführung in ein schwieriges Fachthema, fand schnell große Beliebtheit. Aus einer 20 Minuten-Nummer bei einer Veranstaltung der Grünen im hessischen Alheim wurde mit der Zeit eine bis zu einstündige Veranstaltung. Die ZuhörerInnen erfreuten sich an der bekömmlichen und satirischen Herangehensweise des gebürtigen Schwaben. Schwere thematische Kost wird plötzlich leicht und für jeden verständlich, und er schafft es, Wissenschaft und Humor zusammen zu bringen.

Kabarett mit Johannes Lutz ist keine reine Vergnügungsveranstaltung. Am Ende des Programms hat der Zuhörer das Thema verstanden und ein Stück Beurteilungsvermögen gewonnen.
Auch mit seiner neuen kabarettistischen Lehrstunde hat sich Johannes Lutz ein sperriges Terrain ausgesucht. „Denken von 12 bis Mittag“ steht unter dem Vorzeichen des „Vernetzten Denkens“ bzw. der Frage, wie und weshalb in Politik und Alltag immer wieder fatal und falsch entschieden wird.
Nebenbei lernen die ZuhörerInnen Aspekte der Weltsprache Schwäbisch, die Einordnung von Alexander Dobrindt in die Erdgeschichte, Maßeinheiten für Verlogenheit oder die Tücken der Integration von Ausländern in Schwaben kennen. Das ist betreutes Denken in Kabarett gegossen.

Zur Website von Erwin Hägele.

„Das ist eine Gelände, das wie geschaffen ist für mich!“

(Tim, Grundschule Landeck, rennend 11.43 Uhr am 30. 09. 2014)