Umweltbildungszentrum Licherode
Ökologisches Schullandheim und Tagungshaus
Angebote zur Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)

Rohstoff Wolle

Es ist kurios. Schulkinder auf Klassenfahrten frieren aufgrund nicht witterungsgemäßer Kleidung. Kaum jemand trägt jenen einmaligen, weil fast konkurrenzlos wärmenden Stoff namens Schafwolle. Gleichzeitig ist Wolle ein Abfallprodukt der Schafhaltung geworden, da für den Rohstoff Wolle von den verarbeitenden Industrien nur sehr wenig bezahlt wird. Dabei ist die Wolle ein einheimischer nachwachsender Rohstoff, bei dem sich Gewinnung und Verarbeitung vorzüglich zeigen und miterleben lassen. Die Wollewoche macht den Stoff einerseits attraktiv, und die Kinder lernen etwas über richtiges Anziehen und wie wichtig Wolle als nachwachsender Rohstoff ist. Zum Glück kennen vielen Kinder noch das wärmende Lammfell im Kinderbett. Und dann sind da noch die eigentlichen Stars: unsere beiden Schafe Holly und Pauline.

Stationsarbeiten Wolle

Die Stationen dienen zum einen dem Begreifen (auch wörtlich gemeint) des Materials, zum anderen dem Nachvollziehen der Verarbeitungsschritte von der Rohwolle bis zum Faden. Die Kinder waschen und kardieren (kämmen) die Wolle, lernen einiges über unterschiedliche Schafrassen und die entsprechend verschiedenen Wollqualitäten. Der Verlauf eines Schafjahres (wann und wie oft wird geschoren, wann kommen die Lämmer zur Welt?) spielt ebenso eine Rolle wie die Produkte, die aus Wolle hergestellt sind. Diese sind in jedem Fall sehr „anziehend“….

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Besuch in der Webstube

Nur drei Kilometer talabwärts betreibt Frau Ilse Kamper in Wichte, mit der Webstube eine Art Aktivmuseum zur Verarbeitung von Wolle. Frau Kamper kann den Schulklassen eine Menge zeigen und demonstrieren, so z.B. Kardiermaschine, Spinnrad, Webstuhl. Nun wird auch klar, warum die zuvor noch unbearbeitete Wolle leicht auseinanderzuziehen ist, nach dem Verspinnen aber plötzlich reißfest wird. Fast immer müssen die Kinder irgendwann aus dem gemütlichen alten Fachwerkhaus zum Rückmarsch gedrängt werden, denn das Mittagessen in Licherode wartet und viele würden gerne noch länger bleiben.

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Bau einer Handspindel

Am allerbesten versteht man das Spinnen von Wolle, wenn die Spindel selbst gebaut wird und das alte Handwerk eigenhändig ausprobiert wird. Dazu müssen die SchülerInnen den Spindelstab absägen und das Holzstück anspitzen. Nach diversen Verzierungen, die das gute Stück unverwechselbar macht, geht es ans Spinnen. Der Anfang fällt nicht jedem leicht, aber am Ende der Veranstaltung schafft es  jedes Kind einen Faden zu spinnen und wird bei Bedarf mit zusätzlicher Wolle versorgt. Und klar: Die Handspindeln Marke Eigenbau werden stolz  mit nach Hause genommen. Dort kann weiter gesponnen werden.

Alternative zu: Filzen

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Filzen

Eine sehr feuchte Angelegenheit ist das Nassfilzen. Ob Wollbilder, Filzbälle oder Armbänder entstehen, die Hände sind hinterher mal so richtig sauber…. . Warmes Wasser, Seife und dann etwas Geschicklichkeit und Ausdauer, mehr braucht es nicht. Und mit der Zeit entwickelt sich Waschküchenatmosphäre. Die Kinder staunen, wie sich durch das ständige Walken die Wollfäden so verhaken und verbinden, dass sich die daraus geschaffenen Wollsachen festigen.

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„Ich bin sehr zufrieden mit der Arbeit. Ich habe sehr lange gebraucht, um auf die Idee zu kommen. Ich habe es mir im Kopf vorgestellt. Erst habe ich gedacht, dass wir es nicht schaffen, aber zum Schluss hat es gut geklappt.“

(Emir, Erich-Kästner-Schule Castrop-Rauxel / Naturkunst mit Steinen)