Umweltbildungszentrum Licherode
Ökologisches Schullandheim und Tagungshaus
Angebote zur Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)

Zeitzeugen berichten

eine kurze Darstellung des Konzepts

Als Zeitzeugen sind wir unersetzliche Quellen historischer Forschung. Wir sind authentische Zeugen die lebendig und spannend über früher berichten können.
Zeitzeugen sind Zeugen aus einer vergangenen Zeit. Wenn wir als Zeitzeugen fungieren, berichten wir aus einer Zeit, die die Zuhörer nicht bzw. so nicht erlebt haben.
’Geschichte’ wird von Menschen gemacht, von Menschen erlebt, sie wir erst durch Erfahrungen der Menschen zur ’Geschichte’.

Autor: Wolfgang Ellenberger

Die Darstellung von Geschichte ist subjektiv geprägt

Das bedeutet aber auch, dass die Darstellung von Geschichte, unserer Erlebnisse aus einer früheren Zeit, subjektiv geprägt ist. Geschichte, von der wir berichten, ist immer unsere Geschichte. Wenn wir von früher berichten, beruht unsere Erzählung immer auf unseren Erfahrungen, unserer Lebenssituation, unseren Erlebnissen und unserer Wahrnehmung. Zeitzeugen berichten nicht ’objektiv’ von der Geschichte.

...und kann auch Lücken aufweisen

Dazu kommt, dass wir das speichern, was uns persönlich wichtig war, dass wir vergessen und unsere Erinnerungen Lücken aufweisen, dass durch unsere Erfahrungen Ereignisse einen anderen Stellenwert bekommen können als ihnen in einer ’objektiven’, distanzierten Betrachtung z.B. eines Historikers zukommt, dass wir frühere Ereignisse aus unserer heutigen Sicht (um-)in-terpretieren..
In diesem Umstand verbirgt sich aber auch die Gefahr, dass Ereignisse durch persönliches Erleben, durch Erinnerungen und individuelle Sichtweisen verändert, ’überformt’ werden.
Wir erzählen also von unserer Geschichte, und das sollten wir unseren Zuhörer auch immer wieder deutlich machen.

Die Erzählung wird eingebettet in den historischen Kontext

Wenn historische Forschung klären will, wie die Menschen gelebt, gewohnt und gearbeitet haben, wie sie gelitten haben, welche Ordnungen sie sich gegeben haben, wofür sie gekämpft haben …, müssen Geschichten der Menschen in der Geschichte eine Rolle spielen.
Umgekehrt sollte in unseren Berichten aus früherer Zeit der übergreifende geschichtliche Kontext sichtbar werden, d.h. unsere Geschichten sollten die übergreifenden historischen Ereignisse bzw. Zustände widerspiegeln, in unseren Erzählungen sollte die ’große’ Geschichte sichtbar werden.
Unsere Geschichte / Erzählung beleuchtet also eine bestimmte Zeit, ein Ereignis, eine geschichtliche Phase … Sie ist repräsentativ für eine historische Fragestellung.
Wir sollten klären, welchen Bezug unsere Erzählung zu einem BNE-Thema hat (z.B. Leben früher – Ernährung aus dem eigenen Garten)

...und stellt einen Bezug zu aktuellen Fragen her

Berichte / Erzählungen der Zeitzeugen  müssen gründlich vorbereitet und gut strukturiert sein (z.B. durch eine Mind Map.):

  • Was will ich durch welchen Teil meiner Darstellung verdeutlichen?
  • Welcher Teil meiner Erzählung hat welche historische Bedeutung? (Z.B. Erlebnisse als Kind als Erntehelfer – Kinderarbeit früher / soziale Lage der Kleinbauern…)

Der historische Rahmen muss vor dem Auftritt (z.B. mit den Erzieherinnen/ LehrerInnen) abgesprochen werden. Zeitzeugen sollten nicht ’aus vollem Herzen’ von früher erzählen, sondern durch ihre Geschichten Antworten geben auf Fragen, die im Unterricht behandelt werden (z.B. Wie die Menschen früher arbeiteten), oder eine geschichtliche Situation illustrieren (z.B. Flucht im 2. Weltkrieg).
Insofern ist es wichtig, am Beginn oder im Laufe des Gesprächs Fragen / Probleme der Kinder und Jugendlichen aufzugreifen, an der Tafel festzuhalten und die Antworten in den persönlichen Bericht einzubauen.

Geschichtliche Ereignisse oder Lebensverhältnisse sollten, so weit das möglich ist, durch Medien veranschaulicht werden (Bilder, Geräte…)